Sonntag, 31. Dezember 2017

Das Jahr 2017 - Ein Rückblick

>>Ich habe beschlossen, heute glücklich zu sein. Diese Entscheidung macht offenbar den Unterschied.<< (John P. Strelecky)

Als würden es nicht alle machen: auch von mir gibt es einen Jahresrückblick von 2017. Weil es ein ganz besonderes Jahr für mich war und ich es dementsprechend würdigen möchte. Letztes Silvester habe ich in Passau verbracht und kann jedem, der Silvester genauso hasst wie ich, nur empfehlen, über den Jahreswechsel irgendwo anders als Zuhause zu verbringen. Ich mag Silvester absolut nicht und habe das Gefühl, es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Ich werde sentimental und hänge den 01. Januar immer nur depressiv Zuhause rum. Ich weiß, dass einen der Jahreswechsel zu gar nichts zwingt, trotzdem nimmt man ein neues Jahr gerne als Anlass, sich zu optimieren. Für 2017 habe ich mir das erste Mal was vorgenommen und obwohl ich von Vorsätze nichts halte, habe ich es dieses Jahr wirklich sehr gut durchgezogen. Anfang 2017 war ich wirklich verzweifelt, denn vor mir türmte sich mein bisher größtes Projekt auf: Das Staatsexamen in meinen Fächern Deutsch und Geschichte. Und wenn man den Gerüchten glauben darf, ist das Examen in der mittelalterlichen Geschichte eines der schwierigsten. Doch ich habe es durchgezogen und bin verdammt stolz auf mich. Bei meiner Abschlussfeier musste ich sehr weinen, weil ich nicht glauben konnte, es wirklich geschafft zu haben. Diese Phase des Lernens und Schreibens war eine der anstrengendsten überhaupt für mich. Im April habe ich als Werkstudentin im Verlag vom Marketing in die Presse gewechselt und fand es toll, zwei Bereiche der Verlagsarbeit so hautnah mitbekommen zu haben. Im April begann dann auch die Bewerbungsphase und selten habe ich mich so verzweifelt erlebt. Oftmals wurde ich nicht einmal von den Verlagen eingeladen, sondern bekam gleich eine Absage. Das hat sich dann bis in den September gezogen. Doch jetzt bin ich als Marketingvolontärin in einem wundervollen Verlag und bin absolut glücklich. Das Problem bei mir war nämlich vor allem, dass ich als Lehramtsstudentin nicht die typischen Vorraussetzungen für die Verlagsbranche mitbringe. Aber ich habe es trotzdem geschafft und kann nur jedem empfehlen, ein bisschen mutiger zu sein. Egal, was ihr gelernt habt, wenn ihr möchtet, orientiert euch um und mit viel Willenskraft und dem Glauben an sich selbst schafft man den Quereinstieg. Ich empfinde mich da tatsächlich als etwas Besonderes. Denn ja, der Weg war für mich schwieriger als für andere, aber es hat sich absolut gelohnt. Im Sommer war dann nicht nur meine emotionale Abschlussfeier, sondern auch ein besonderer Urlaub. Besonders nicht, weil das Ziel so schön war, sondern weil ich in einer Zeit großer Anspannung (Warten auf die Examensergebnisse, Vorbereitung auf das Examen in meinem Erweiterungsfach Medienpädagogik und Bewerbungsphase) endlich mal ein bisschen entspannen konnte. Leider endete der Urlaub abrupt damit, dass mein Meerschweinchenmännchen gestorben ist. Dazu muss man sagen, dass meine Meerschweinchen, so merkwürdig es für manche auch klingen mag, zu meiner Familie gehören. Sie sind Teil meines Alltages und sind mir wie für andere Katzen, Hunde, Kinder sehr nahe. Deshalb hat es mich sein Tod sehr getroffen, auch wenn ich weiß, dass er nun endlich von seinen Schmerzen erlöst wurde.

>>Lieber Vogel, fliege weiter, nimm ein Gruß mit und ein Kuss, denn ich kann dich nicht begleiten, weil ich hierbleiben muss.<< (Altes Kinderlied)

Im Oktober habe ich dann meine Volontärsstelle angetreten, mein Studium habe ich offiziell im Dezember abgeschlossen. Ich habe Grenzen gesetzt, bin resoluter und klarer in der Kommunikation geworden und bin mit mir selbst zufrieden und im Reinen.
Das Jahr 2017 war also eines der anstrengendsten, aber auch glücklichsten und erfolgreichsten Jahre für mich und dafür bin ich sehr dankbar. Ich gehe sehr zufrieden ins Jahr 2018. Konkrete Vorsätze habe ich nicht, eigentlich nur recht unspezifisch: Mehr auf mich zu achten. Dazu gehört Sport, Grenzen setzen, kein Rauchen, gesundes Essen, etc. Also "the same procedure as every year": Selbstachtung und -liebe. Und: Man kann jeden Tag das werden, was man will (mein persönliches Motto).

Samstag, 9. Dezember 2017

Ich bin schwierig. 
Ein Hoch auf mich selbst.

Heute geht es wieder um Erkenntnisse. Vielleicht sollte ich langsam ein Format daraus machen. Diesmal: Ich bin schwierig. Ja, ich bin eine schwierige Persönlichkeit, nicht "der Norm" entsprechend. Als Kind war ich recht friedfertig, ein bisschen schüchtern und als Persönlichkeit recht beliebt, weil ich höflich und liebenswert war. Im Aufwachsprozess habe ich aber gemerkt, dass ich ein bisschen schwierig bin. Denn ich mache mein Glücklichsein viel von anderen Personen abhängig. Ich kann es nicht leiden, wenn mein Gegenüber nicht so agiert, wie ich das gerne hätte. Ich habe sehr große Erwartungen, erfülle sie aber sehr selten selbst. Ich erwarte das strikte Vorgehen nach meinen Regeln und andersrum, eben wenn ich die Regeln selbst breche, erwarte ich Toleranz. Deshalb gehen mir Unpünktlichkeit, Absagen, etc. absolut gegen den Strich. Dazu kommt, dass ich sehr launisch bin, bedingt durch Umstände, die ich mir manchmal selbst nicht erklären kann. Und: ich bin sehr gerne alleine, manchmal habe ich nämlich einen wirklichen Hass gegen die Menschen allgemein. Dabei ist Hass ein wirklich starkes Wort. Aber ich hasse, dass überall Müll herumliegt und manche überhaupt nicht auf ihre Umwelt achten, ich hasse Menschen, die Tiere zu Weihnachten verschenken und dann aussetzen, ich hasse diese Konsumgesellschaft, ich hasse den Anspruch an das "Normalsein". Das alles klingt so negativ, aber wenn man es mal von einer anderen Seite aus betrachtet, ist es durchaus positiv. Denn das ist ein Problem: Menschen sagen, was normal ist: "Warum bist du denn so schwierig? Genieße doch das Leben." Aber genau diese Art von Menschen dümpeln in ihrem Leben zwischen der Arbeitsverpflichtung, selbst auferlegten Hobbys, Partnerschaft und Freunden und fragen sich dann "Huch, wie konnte das Jahr denn so schnell vergehen?", weil bei ihnen kein Kontrast vorliegt. Weder freuen sie sich richtig, noch kommt wirklich mal Wut auf. Es ist, als würden diese Menschen auf einer Wattewolke schweben und eigentlich gar nicht so richtig mitbekommen, was um sie herum eigentlich passiert. Und sie merken auch nicht, dass man auch mal wütend werden kann. Ich bin der Meinung, dass jeder individuell ist und deshalb sein Leben so leben kann, wie er das gerne möchte. Schwierig sein ist nicht "normal"? Doch. Schwierig beinhaltet ja nicht, dass man unhöflich ist. Natürlich sollte man sich an gängige Regeln halten. Was ich unter schwierig verstehe und worauf ich stolz bin, ist: Kontrast haben. Seine Meinung äußern, sein Recht einfordern, sich holen, was man gerne möchte und vor allem individuell sein. Ich habe beispielsweise eine Freundin, die sich noch nie mit ihrem Freund gestritten hat. Noch nie. Einfach weil sie keinen Grund dazu hat, sagt sie. Ich verstehe es absolut nicht, aber ich akzeptiere es. Ich behaupte, ein bisschen Kontrast würde ihrer Persönlichkeit gut tun. Aber sage ich es? Nein, weil ich sie so hinnehme, wie sie ist. Das Problem dabei ist nur, dass sie mir sagt, dass ich "schwierig" bin. Ihr versteht das Dilemma, oder? Sie weiß, dass sie "normaler" ist, friedfertiger und umgänglicher, wohingegen ich meinen Unmut gerne zum Ausdruck bringe. Mein Vorsatz für das neue Jahr ist also: Ich werde schwierig bleiben, weil es meine Persönlichkeit ausmacht. Ich werde meinen Mund aufmachen und meine Meinung äußern, wenn jemand in meine Zone der individuellen Freiheit eindringt, sprich wenn meine Grenzen überschritten werden. Ansonsten werde auch ich mich in Toleranz üben hinsichtlich der Lebensführung anderer Menschen. Und genau das erwarte ich auch von anderen.

Samstag, 2. Dezember 2017

Marina Heib: Drei Meter unter Null

ISBN: 978-3-453-27111-1
Preis: 19,99 Euro [D], 20,60 [AT]
Seitenanzahl: 249

Inhalt

Eine junge Frau beobachtet ihre Opfer und plant ihre Morde. Dabei war sie früher ganz normal, bis zu einem Donnerstag im November. Denn da wird sie zur Mörderin. Vernichtet ihre Dämonen. Und will Rache.

Bewertung

Ich bin durch eine Leseprobe auf das Buch aufmerksam geworden und ich möchte behaupten, dass mich diese auf den Weg des Thriller-Lesens gebracht hat. Denn um ehrlich zu sein, bin ich nie an Thrillern, Horrorbüchern oder Krimis interessiert gewesen. Eben bis zu diesem Buch. Das Cover mutet geheimnisvoll an und deutet mitsamt dem Titel "Drei Meter unter Null" an, dass sich hinter dem Morden der jungen Frau, die erst am Ende mit ihrem Namen genannt wird, etwas Tieferes und Abgründiges befinden muss. Ich liebe es, wenn Cover und Titel tatsächlich etwas mit dem Inhalt zu tun haben und nicht nur wahllos gesetzt sind. Ich bin zudem sehr gut in die Geschichte reingekommen und wurde sogleich mitgerissen. Die Sprache ist einfach und gut gewählt, die Rückblicke in die prägende Vergangenheit sind stets gut gesetzt. Am spannendsten fand ich, dass sich die Protagonistin ihre Dämonen nicht erklären kann. Denn ihre Problematik ist weder in ihrer Kindheit, ihrer Jugend, bei ihrer Erziehung, bei Mobbing oder ähnlichem anzusiedeln und sprengt somit die ersten Vermutungen des Lesers. Im Gegenteil hatte sie immer eine liebende und unterstützende Familie und eine glückliche Kindheit mit den ein oder anderen "normalen" Schwierigkeiten, wie Liebeskummer, Wohnortswechsel, etc. Dabei ist das sogenannte "Normal-Sein" eine Thematik, die in dem Thriller häufiger aufgegriffen wird. Ein Konstrukt, gegen den sich die Protagonistin einerseits oft aufbäumt, es aber häufig auch als erstrebenswert ansieht. Denn gerade die Normalität wiegt sie in Sicherheit und lässt sie ihre Dämonen zähmen. An dieser Stelle fragt man sich natürlich auch, was normal ist. Und wie in jedem guten Thriller, von denen ich mittlerweile nun schon einige gelesen habe, kommt man hinter die Abgründe des Protagonisten und kann sie manchmal sogar nachvollziehen. Enttäuscht hat mich aber leider die Aufdeckung des Geheimnisses, warum sie zur Mörderin wurde. Auch wenn man es sich ansatzweise vorstellen konnte, war die direkte Ursache aber doch etwas an den Haaren herbei gezogen. Es ließ mich weiterlesen, weil ich hoffte, dass doch noch ein größerer Sinn dahinter stehe. Und tatsächlich wurde es mit der Zeit plausibler und ließ die Handlungen der Protagonistin nachvollziehen. Auf jeden Fall ist es eine innovative und immer noch aktuelle Thematik. Nur mit dem Schluss war ich nicht richtig zufrieden. Einerseits ließ er Fragen offen, fand aber auch einen guten Abschluss.

Fazit

Insgesamt kann man sagen, dass man das Buch in einem Rutsch durchliest, was eindeutig für die Geschichte spricht. Es ergibt auf seinen kurzen 249 Seiten Sinn, baut Spannung auf, lässt den Leser rätseln und ist kurz gesagt eine Empfehlung, auch wenn es mich in der Mitte und am Ende etwas enttäuscht hat. Auf jeden Fall lässt es einen Tage später immer noch nicht los!

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Encore Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares!

Sonntag, 26. November 2017

Diane Ackermann: Die Frau des Zoodirektors

Untertitel: Eine Geschichte aus dem Krieg
ISBN: 9783453270824

Preis: 19,99 € [D], 20,60 € [A]
Seitenanzahl: 383


Heute geht es um ein Buch, dass mich sehr berührt hat. Es basiert auf einer wahren Geschichte und wurde auch verfilmt. Ich muss dazu sagen, dass ich über das Thema "Nationalsozialismus" in jedweder Form durch mein Geschichtsstudium und eigenes Interesse eine Menge weiß und dass das Buch trotz allem, was ich über diese Gräueltaten schon wusste, noch viel mehr offenbarte und schaffte, mich sprachlos zu machen.

Inhalt

Es geht um die Familie Zabinski, die den Warschauer Zoo leitet. Als 1939 Polen besetzt wird, das Warschauer Ghetto gegründet wird, Bomben die Landschaft zerstören und Juden deportiert werden, hilft diese Familie vielen Menschen, indem sie sie im Haus oder in leeren Käfigen verstecken, stets in der Gefahr, entdeckt und selbst bestraft und hingerichtet zu werden.

Bewertung

Dieses Buch ist unglaublich. Es ist kein Pageturner, man liest es nicht einfach mal in einem Rutsch durch. Ich habe mal gehört, dass Menschen keine Bücher lesen wollen, die schwere Kost (wie dieses) beinhalten, weil ihr Leben eh schon schwer genug ist und man lieber in der Fantasie ein Happy End erleben möchte. Vermutlich, weil es einfacher ist. Und ablenkt. Und auch ich mag ein schönes Ende. Aber ich bringe es einfach mal auf den Punkt: Die Welt braucht solche Bücher. Absolut. Genauso, wie es den Geschichtsunterricht braucht, denn natürlich lernen wir einfacher aus den Geschichten anderer, als aus unseren eigenen. Was mich am Buch irriert hat, war die Vermischung von typischen Romanelementen und autobiografischem Stil. Die Autorin schwankt zwischen einer Erzählung und wissenschaftlicher Beschreibung. Sprich: Manchmal erzählt sie aus Sicht Antonias (also der Frau des Zoodirektors) und manchmal berichtet sie über sie, indem sie aus ihrem Tagebuch zitiert. Ich weiß nicht, ob ich es anstregend finden soll oder ob es nicht wunderbar ist, weil es den Charakter des Buches ausmacht. Denn was man als Leser braucht, ist Abstand. Man muss das Buch zuklappen können und die Entscheidungsgewalt darüber haben, es weiterzulesen. Und genau das gibt der Schreibstil dem Leser: Die Möglichkeit, Abstand zu nehmen, objektiv zu urteilen. Es rührt so sehr, man möchte weinen, auch wenn diese Grausamkeit mit einer solchen Nüchternheit erzählt wird. Eine Nüchternheit, die es braucht, um bei der Lektüre nicht den Verstand zu verlieren. Es ist unfassbar, dieser Kontrast eines objektiven Schulunterrichtes zu diesem Buch. Antonia ist eine unglaublich starke, empathische Frau. Sie nimmt Menschen und Tiere gleichermaßen in ihr Haus auf, umsorgt sie, stets in dem Bewusstsein, in den Augen der Nationalsozialisten eine Straftat zu begehen. Ich finde es so bemerkenswert, dass es Menschen gab, die sich dieser unmittelbaren Gefahr aussetzten. Ich finde es unglaublich, dass diese Geschichte, eine für mich persönliche Heldentat, nicht gehört wurde, wie der Klappentext schreibt, sogar durchgerutscht ist nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Bis zu dem Zeitpunkt, als die Autorin Diane Ackerman darauf aufmerksam wurde, recherchiert hat und dieses Buch geschrieben hat. Dieses Buch berührt wirklich sehr stark, ist gut recherchiert, hat ein sehr passendes Cover und erzählt trotz seiner Nüchternheit eine wahnsinnige Geschichte, die im Gedächtnis bleibt. Vielleicht ist es die Liebe der Protagonistin zu Tier und Mensch gleich, in einer Welt und zu einer Zeit, in der eine solche Liebe selten Platz fand. Ich möchte nicht zu viel über den Inhalt verraten, aber die Verbindung einer Familiengeschichte mit dem natürlichen Lauf der Natur in ihrer harmonischen Stille zu der Zerstörungskraft der Nationalsozialisten macht den Leser fassunglos und lässt einen fragen, wie so eine Gräueltat überhaupt jemals möglich war. Es zeigt aber auch, dass Nächstenliebe diese Zeit überstehen ließ. Und mehr denn je ist es wichtig, diese Geschichten heute zu erzählen. Den Film werde ich mir sicherlich auch noch ansehen.

Fazit

Es gehört gelesen zu werden. Es gehört gehört zu werden. Es gehört gesehen zu werden. Es gehört... erzählt zu werden.

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Encore Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares!

Samstag, 14. Oktober 2017

Warum wir denken, dass wir die einzig wahre Generation sind.
Wir werden als die Millenials, als die Generation Y bezeichnet. Wenn man Wikipedia ("Generation Y") glauben darf, steht das Y dabei für "Why" (also "Warum"), was wohl für das typische Hinterfragen unserer Generation stehen soll. Wir sind die zwischen 17 und 27, die jungen Menschen, und stellen alles in Frage, befinden uns auf Selbstfindung. Letztens las ich ein Buch, in der eine Frau meinte, sie wäre froh, ihre jetztige Situation nicht mit einem "Millenial" teilen zu müssen, weil wir viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt wären. Und obwohl mich diese Über-ein-Kamm-Schererei umgehend wütend gemacht hat, kann ich ihr leider nur zustimmen. Wir sind die Generation, die mit Natur aufgewachsen ist und nun im digitalen Dschungel verschwindet, immer auf der Höhe, immer hip, immer anstrengend. Wir fermentieren (Jugendsprache für "kontrolliert gammeln") vor Netflix, tacken (Begriff für nunja, kacken und texten, also auf der Toiletten Nachrichten verschicken), verwenden dabei einen Überschuss an Emojis, napflixen (Nickerchen, während ein Film läuft), sind zuhauf "schatzlos" (sprich single) und fragen uns "Was ist das für 1 Life?" ("Ausdruck von Erstaunen in einer außergewöhnlichen Situation"). Ihr habt kein Wort verstanden? Ich auch nicht, aber ich tue gerne so, als wüsste ich, was "abgeht". Denn wir wollen ja nicht "sozialtot" sein, also nicht up to date, nicht auf sozialen Medien aktiv. Das ist übrigens eine Auswahl der Jugendwörter für 2017 (Langenscheidt), ich habe so gelacht und war gleichzeitig so schockiert über diesen Zeitgeist. Was ich damit sagen will: Wir sind ständig wütend und euphorisch zugleich, weil wir heillos überfordert sind. Viele von uns haben ein immenses Wissen, sind unheimlich gebildet mit ihrem hohem Bildungsabschluss, mit dem man nichts anfangen kann und sehen die Arbeit als eine Art Erfüllung des Selbst. Unser Selbst hat Unmengen mit Medien zu tun, wir basteln unsere Identität im Vergleich mit medialen Vorbildern zusammen. Filter auf Instagram, witzige Anekdoten auf Twitter und diese ständige Schaut-Her-Mentalität auf Facbook. Wir sind Krisen gewohnt und suchen ständig, leben also in permanenter Unsicherheit, sei es nun beruflich als auch privat. Dadurch und durch die unendlichen Möglichkeiten, die sich uns bieten, vermissen wir häufig einen gradlinigen Weg. Planen ist sehr schwierig und das setzt uns großem Stress aus. Was mich immer wieder entsetzt, ist die Erkenntnis meiner Mama: Viele junge Menschen setzen sich jetzt mit Themen auseinander, die eigentlich erst Menschen mit 40, 50 Jahren betreffen. Befinden wir uns also in einer Midlife crisis oder sind wir einfach so? Unsicher, hilflos, egozentrisch, bindungsunfähig? Wir sind die Zukunft, uns stehen alle Möglichkeiten offen. Und trotzdem irren wir heillos umeinander, im Strudel von Tinder und Snapchat gefangen. Wir können tun und lassen, was wir wollen und möchten dabei manchmal nur Zuhause unter der Decke sitzen und "Bibi Blocksberg" hören. Ehrlich, ich verstehe unser zielloses Umherziehen selbst nicht. Ich hatte eine tolle Kindheit mit viel Natur, in Teenagerjahren konnte ich theatralische Sprüche auf Facebook posten. Im Erwachsenenalter können wir uns den schönsten, passendensten Partner aussuchen, sind alle wunderschön, vital, absolut gesund und sportlich. Wir leben zufrieden in einer Demokratie, können über Whatsapp mit jedem Mensch auf der ganzen Welt kommunzieren und haben beruflich durch unseren hohen Bildungsabschluss alle Möglichkeiten offen. Aber: Wir wollen immer noch besser, schöner und schneller sein und sind nie zufrieden, mal abgesehen davon, dass wir absolut nicht im Moment leben können. Vielleicht schere ich uns nun auch über einen Kamm. Aber ich fühle mich so. Ich suche nach Selbstverwirklichung, Geborgenheit und einer Hand zum Festhalten, weil ich heillos überfordert bin von all den tollen Möglichkeiten: Nach Australien auswandern, drei Dates an einem Abend, den Traumberuf versus Familie haben. Ich bin ruhelos, weil ich das Gefühl habe, dass da draußen noch etwas besseres auf mich wartet, in absolut jeglicher Hinsicht. Was wir brauchen? Ich weiß es nicht. Dachte ich noch als 18-Jährige, dass wir die einzig wahre Generation wären, so muss ich heute hilflos zusehen, dass wir gar nicht so viel ausrichten können, wie es immer den Anschein hat. Oftmals sind wir nicht kritikfähig, empfinden uns selbst aber als superlocker. Wir sind doch die entspannteste Generation überhaupt. Oder? Wir sind besser, können und wissen alles besser. Wir rauchen nicht und machen fünfmal die Woche Sport. Wir sind vegan und achten die Umwelt. Oder? Nein. Wir tun so, als wären wir perfekt, beäugen dabei aber stets kritisch die anderen und setzen uns damit stets selbst total unter Druck, ein Teufelskreis.
Vielleicht ist das aber auch ein Prozess des Erwachsenwerdens, ich habe keine Ahnung. Noch ein Problem: wir sind tatsächlich sehr pessimistisch und fügen uns in diese Hilflosigkeit. Vielleicht sollten wir einfach eins tun: Im Moment leben. Das ist meine einzige Lösung.

Montag, 9. Oktober 2017

FROM THIS MOMENT - Lauren Barnholdt

Übersetzerin: Bettina Spangler
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-31067-0
Preis: 9,99 Euro
319 Seiten

Aven Shepard hat sich etwas vorgenommen: Vor ihrem Abschluss will sie die Wahrheit sagen. Ihrem besten Freund, dass sie in ihn verliebt ist und ihren ehemals besten Freundinnen, dass sie sie vermisst. Doch das ist gar nicht so einfach.

Ganz zu Anfang muss ich sagen: Es ist ein Teeniebuch und zwar in absolut jeder klischeehaften Form. Es geht um ein junges Mädchen, welches in ihren besten Freund verliebt ist und es ihm nicht sagen kann. Zugleich hadert sie mit jugendlichen Themen wie Selbstfindung, Identität, Jungs und beste Freundinnen. Was ich sehr schön fand: dieses Mädchen hat Charakter. Sie wird zwar als sehr verträumt beschrieben, kann sich aber durchsetzen und weiß, was sie will. Die Idee hinter der Wahrheit-sagen ist nämlich die, dass sich drei ehemals beste Freundinnen vier Jahre zurvor eine Mail geschrieben haben, um ihr Zukunfts-Ich an die Mission zu erinnern. Dabei sieht sich die Protagonistin stets von dieser Mail unter Druck gesetzt und man erlebt als Leser den Kampf zwischen Kneifen und Mut beweisen. Was ich nicht gut fand: all ihre Gedanken beschäftigen sich, vermutlich vor allem durch die immer wiederkehrende Mail, immerzu und ständig damit, was ihr bester Freund wohl für sie fühlt und wie sehr die Freundinnen sich ehemals verletzt haben, ohne tatsächlich auf den Punkt zu kommen. Dabei verliert sich Aven stets in Tagträumen, die sehr unrealistisch sind. Ich möchte behaupten, dass dieses Buch sicherlich absolut einem träumenden Teenie(-mädchen) entspricht, ihrer Lebens- und Gefühlswelt, ich nehme mich da nicht aus. Aber nun als erwachsene Frau kann ich das Buch leider nicht so nachvollziehen und finde es zu einfach gestrickt. Auch hat es den Anspruch nicht, den Jugendbücher häufig an ihre jungen Leser haben, nämlich ein Orientierung und Wertevergleich. Die Sprache ist leicht und gut verständlich, oft ist es aber nicht ganz klar, wer spricht und warum. Die Figuren sind halbherzig ausgearbeitet, die Protagonistin ihrem Alter entsprechend leider manchmal zu naiv und tagträumerisch. Als einen netten Pluspunkt möchte ich aber noch anmerken, dass im Grunde genauso die Geschichte passiert, wie sich Aven das in ihren Träumen ausgemalt hat. Und wer möchte das nicht?

Als Fazit kann ich nur sagen, dass es als einfache Zuglektüre für nebenbei so vor sich hinplätschert, ab und an seine Momente hat, aber im Großen und Ganzen keine Tiefe besitzt und ich leider nicht empfehlen kann.

Samstag, 7. Oktober 2017

Panikattacken und andere Angststörungen loswerden: Klaus Bernhardt


Untertitel: Wie die Hirnforschung hilft, Angst und Panik für immer zu besiegen

ISBN: 9783424201772

Preis: 16,99 € [D], 17,50 € [A]

Seitenanzahl: 208



Der Angstexperte Klaus Bernhardt hat festgestellt, dass viele der herkömmlichen Therapieformen hinsichtlich Ängsten veraltet oder unbrauchbar sind. Er stellt mit diesem Buch deshalb eine neue Art vor, die sich an Erkenntnissen der Hirnforschung orientiert.


Herr Bernhardt setzt den Maßstab sehr hoch an, denn er behauptet, dass er die meisten Angststörungen innerhalb weniger Sitzungen (<10) auflösen kann. Er selbst arbeitete als Wissenschafts- und Medizinjournalist und ließ sich anschließend zum Heilpraktiker für Psychotherapie ausbilden. Und damit ist er sehr erfolgreich: er führt eine eigene Praxis in Berlin, entwickelte eben oben genannte Methode der Angstbehandlung und erreicht im heutigen digitalen Zeitalter die Menschen mit Podcasts. Ich hatte meine Vorurteile, das gebe ich zu. Ein Mann, der selbst weder Medizin noch Psychologie studiert hat und sein Wissen aus seiner Berufspraxis als Journalist zieht, fand ich suspekt. Schließlich hat der Markt schon genug Bücher von Quereinsteigern und Quaksalbern, die immer besser und innovativer sind und selten Erkenntnisse mit Hand und Fuß (sprich Forschungsgrundlage) haben. Aber: ich wurde SEHR positiv überrascht. Das Buch beginnt mit einer Einleitung, in der er beschreibt, wie er auf das Thema gestoßen ist: nämlich durch zwei Bekannte mit Angststörungen. Einen persönlichen Bezug finde ich bei solchen Büchern immer sehr ansprechend, weil es bedeutet, dass sich die Menschen mit der Thematik aus eigenem Interesse heraus beschäftigt haben. Und es ist ja nun einmal nachgewiesen, dass die Motivation "Interesse" den Wissenserwerb unterstützt. Nach der Einleitung, in der man den Mann hinter dem Buch kennenlernen darf, führt er seine Methode sehr kompetent und strukturiert fort. Er geht dabei zunächst auf die Ursachen von Panikattacken, die bekanntermaßen Symptom einer Angststörung sind, ein: Beispielsweise Drogen, missachtete Signale des Körpers, etc. Die Sprache ist dabei stets sehr angenehm, werden Fachbegriffe verwendet, erläutert Herr Bernhardt sie anschließend sehr ausführlich. Was ich ungemein interessant fand: Er merkt an, dass viele Menschen häufig negativen Gedanken Raum gewähren, woraus sich eine Autobahn an negativen Gefühlen bildet und das positive Erleben von Situationen oftmals nur noch zu einem Feldweg verkommen ist. Das bedeutet, dass man eine neue Situation sofort negativ konnotiert und so die Autobahn der negativen Gedanken immer breiter wird. Es ist also an uns, unser Gehirn umzustrukturieren, um wieder ein positives Lebensgefühl (ohne Panikattacken) zu bekommen. Das Vorstellen seiner Methode kombiniert er dabei mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und persönlichen Geschichten. Was mir ein bisschen fehlte, waren die Fußnoten, aber schließlich ist es ja keine wissenschaftliche Arbeit, sondern ein Selbsthilfebuch. Was mir nicht gefallen hat, war, dass er sich an einer Stelle darauf bezieht, dass Panikattacken entstehen, weil man ein negatives Erlebnis hatte und wenn man das beseitigt, würde auch die Angst verschwinden. Dabei wirbt er doch mit dem Buch für jedwede Form der Angsterkrankung. Er meinte damit, dass Menschen mit einer ernsthaften Angsterkrankung natürlich nicht innerhalb von 10 Sitzungen geheilt werden, sondern mit seiner Methode ungefähr sechs Monate brauchen. Ansonsten fand ich ihn und seine Erläuterungen erfrischend und nachvollziehbar. Er gibt einige sehr wichtige Anstöße wie das Hören auf das Bauchgefühl, das Verändern von negativen Situationen, etc. Was ich auch sehr spannend fand: er geht weg von der Verwendung von der Medikamentenverwendung hin zu einer Umstrukturierung des Lebens: einen anstrengenden Job wechseln, das Selbstwertgefühl steigern und glücklicher und unbeschwerter werden. Dem soll dann die Umstrukturierung des Gehirnes folgen. Das fand ich sehr spannend, denn hier geht es in die Praxis, sprich: er gibt Tipps, beispielsweise das Aufschreiben von 10 Sätzen, wie das Leben perfekt aussehen sollte. Dabei darf der Satz nicht negativ sein, es soll sich auf die Gegenwart beziehen und die Ziele sollen erreichbar sein.


Bis auf ein paar Kleinigkeiten also eine absolute Empfehlung. Es geht kurz gesagt darum, die Angst als körperliches Anzeichen zu begreifen, als Warnsystem. Deshalb muss man zunächst dafür sorgen, dass die unschönen und angstauslösenden Situationen beseitigt werden (z.B. den Job zu wechseln) und anschließend das Gehirn positiv umzustrukturieren. Der Autor geht dabei weg von herkömmlichen Therapiemethoden, aber nicht, ohne es ausreichend zu begründen und an die eigene kritische Betrachtungsweise zu appellieren.

Ich persönlich habe auch viel mit Ängsten zu kämpfen, ab und an auch mit kleinen Panikattacken und muss sagen, dass das Buch einem eindeutig den "Aha"-Moment beschert, wo man ein bisschen mehr über sich erfährt. Ich werde diese Tipps auf jeden Fall ausprobieren und ggf. noch einmal über den Erfolg berichten.


Vielen Dank an das Bloggerportal und den Ariston Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares!